Stärke dein Immunsystem mit Kneipp’schen Anwendungen

Der Wasserdoktor Sebastian Kneipp

Am 17. Mai dieses Jahres jährte sich der 200. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp. Über das Leben und Wirken dieses nicht nur als Pfarrer sondern auch als “Wasserdoktor” tätigen Gelehrten habe ich im letzten Beitrag berichtet. Heute werde ich mich der Frage widmen:

Was sind Kneipp’sche Anwendungen?

Wasseranwendungen waren schon bei den Griechen und Römern als Heilmethode bekannt, gerieten jedoch im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit. Kneipp war es, der den therapeutischen Sinn dieser Behandlungsweise wiederentdeckte. Er entwickelte die Kaltwasseranwendung weiter, führte auch die Warmwassermethode ein und erkannte den Wert des Wechselreizes.

Wir kennen heute über 100 verschiedene Kneippsche Anwendungen. Dazu gehören Waschungen, Wickel, Güsse, Teil- oder Vollbäder, aber auch Wassertreten, Wechselbäder und Bürstenmassagen. Dem einen oder anderen mögen diese Begriffe schon etwas sagen. Die Kraft des Wassers – ob heiß oder kalt, im Wechsel und an unterschiedlichen Körperstellen angewendet – hat heilende und vorbeugende Wirkung auf den ganzen Körper.

Durch die Einwirkung des Wassers wird ein Reiz auf die Hautoberfläche ausgeübt. Dieser kann sein:

  • ein mechanischer Reiz (z.B. Wasserstrahl)
  • ein chemischer Reiz (z.B. durch Badezusatz) oder
  • ein thermischer Reiz (durch warmes und/oder kaltes Wasser).

In der Hydrotherapie nutzt man die Eigenschaft des Wassers als ausgezeichneter Wärmeleiter, der seine Temperatur sehr schnell an die jeweilige Körperstelle abgibt. Durch warmes oder kaltes Wasser wird die Temperatur der betroffenen Hautstelle so verändert, dass ein Temperatur-Reiz entsteht: der Körper will den Temperatur- unterschied wieder ausgleichen. Dabei entstehen die wirksamsten Effekte, wenn Körper- und Wassertemperatur deutlich voneinander abweichen. Eine Wassertemperatur von etwa 32 bis 35°C entspricht in etwa der Temperatur der Hautoberfläche. Somit entsteht noch kein Reiz und es wird keine Körperreaktion ausgelöst.

Je mehr die Wassertemperatur von dem o. g. Temperaturbereich abweicht, desto größer ist der Reiz auf den Körper und umso kräftiger fällt die Gegenreaktion aus. Neben der Wassertemperatur hängt die Stärke des Reizes auch von der Zeitdauer der Anwendung und von der Größe der behandelten Hautoberfläche ab. Somit können die Wasseranwendungen durchaus differenziert eingesetzt werden.

Wie funktionieren Kneipp’sche Anwendungen?

Unsere Körperkerntemperatur von 37°C wird durch ein Thermoregulationssystem mit einer Vielzahl von Messfühlern kontrolliert. Diese Thermorezeptoren sind überwiegend in der Haut angesiedelt. Die darüber festgestellten Temperaturabweichungen werden über Nervenbahnen zum Gehirn geleitet. Dort vergleicht das Wärmeregulationszentrum des Hypothalamus die Ist- und Sollwerte miteinander und leitet bei Abweichungen Maßnahmen ein, um den Temperaturunterschied wieder auszugleichen. Das äußert sich zum Beispiel im Schwitzen bei Wärme oder in Zittern bei Kälte. Aber auch die Steuerung des Blutkreislaufs durch das Zusammenziehen oder Erweitern der Blutgefäße gehört dazu. Warme und kalte Wasseranwendungen haben unterschiedliche Wirkungen auf den Körper: Bei warmen Anwendungen wird die behandelte Hautregion erwärmt, die Blutgefäße weiten sich und die Haut wird stärker durchblutet. Das hat vor allem eine entspannende, beruhigende und krampflösende Wirkung und ist bei Verspannungen oder Muskelkrämpfen zu empfehlen. Kalte Wasseranwendungen wirken eher anregend und erfrischend. Weil sie auch einen gewissen Stress für den Körper bedeuten, werden die Hormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, Blutdruck und Atemfrequenz steigen. Durch die Einwirkung des kalten Wassers auf die Haut sinkt die Temperatur dort unter den Sollwert von 37 Grad Celsius. Als Reaktion darauf ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um die Wärmeabgabe zu verringern. Der Körper versucht nun, den Wärmeverlust wieder auszugleichen und leitet wärmeres Blut aus dem Körperinneren zu der kalten Stelle. Das hat eine vermehrte Durchblutung und Erwärmung der betroffenen Hautregion zur Folge, die Blutgefäße erweitern sich wieder und es stellt sich ein wohliges Gefühl ein.

So stärkst du dein Immunsystem

Durch regelmäßige Kaltanwendungen oder auch Wechselanwendungen mit kaltem und warmem Wasser werden die Gefäße sehr gut trainiert und der Organismus lernt, seinen Wärmehaushalt schneller und effektiver zu regulieren. Bei regelmäßiger Anwendung wird vor allem unser Immunsystem gestärkt, weil zum einen mehr Abwehrstoffe gegen Krankheitserreger gebildet werden und zum anderen die Organe durch die gesetzten Reize besser durchblutet werden. Die Betonung liegt hier auf “regelmäßiger Anwendung”. Eine wirksame Abhärtung setzt nämlich erst nach rund 10 Wochen Behandlung ein.

„Im Wasser liegt Heil.“

Mit diesem treffenden Ausspruch von Sebastian Kneipp lade ich euch, diese oder jene seiner Anwendungen einfach mal auszuprobieren: Geht barfuß über eine nasse Wiese, macht Wassertreten in einem kalten Becken, einem See oder am Meer. Ihr könnt es auch mit einem einfachen Knieguß oder sogar einem Ganzkörperguss probieren. Und ihr werdet in jedem Fall merken, wie gut es tut. In den Fastenkursen vor Ort integrieren wir Kneippsche Anwendungen in die Morgenbewegung. Und in den Online-Kursen erfährst du noch mehr zur Durchführung der einzelnen Anwendungen. Im übrigen sind die Wasseranwendungen nur ein Teil der ganzheitlichen Lehre von Sebastian Kneipp. Seine Lehre beruht auf insgesamt 5 Säulen, die vergleichbar sind mit Pfeilern, die ein stabiles Gerüst für ein Haus – das Haus der Gesundheit – sind.

Quellen

Kneipp-Journal Heft Mai 2019, Seite 18 ff.